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Tag 26: Jesolo bis Markusplatz (Venedig)

Heute ist es soweit. Der vorerst letzte Wandertag steht an und nur noch 23 km liegen zwischen uns und dem Ende des Festlandes. Unsere Vorfreude war riesig und wir konnten es kaum erwarten in die Schuhe zu schlüpfen und loszugehen. Nach einem kurzen Frühstück und einem Zwischenstopp im Supermarkt haben wir uns auf den Weg gemacht.

Nachdem wir in den letzten vier Wochen wirklich Glück mit dem Wetter hatten, sah es heute ein wenig anders aus. Als wir losgegangen sind, gab es bereits einen feinen Nieselregen. Im Laufe der ersten beiden Stunden sollte sich das noch verstärken. Doch selbst der Regen hat es nicht geschafft, unsere gute Laune zu trüben.

So ging es zunächst einmal wieder auf den uns altbekannten Damm entlang am Silekanal. Der Weg war nicht sonderlich spektakulär aber anders als die Tage zuvor, war das Ufer hier mit hohem Schilf bewachsen. Dies führte dazu, dass der Weg teilweise nicht ganz so endlos wirkte.

Diesem Damm sind wir etwa 9 km lang gefolgt, bis wir die erste Brücke erreichten, bei der wir den Kanal überqueren konnten. Inzwischen ist aus dem Nieselregen ein ziemlich starker Regen geworden, der ausgerechnet dann am stärksten war, als wir über die Brücke gelaufen sind. Das war für uns nicht weiter schlimm, doch ein Autofahrer nach dem anderen schaute uns aus seinem Auto heraus so verdutzt an, dass es für uns schon wieder amüsant war.

Das erste Ziel unseres heutigen Tages haben wir fast erreicht, denn bis zum Meer war es jetzt nicht mehr weit. Vorbei an einigen Campingplätzen sind wir etwa 20 Minuten an der Straße entlang gelaufen. Man bemerkt den Tourismus hier schon deutlich, denn es gibt endlich wieder Fußgängerwege!

Kurz bevor wir den Strand und das Meer erreicht hatten, hörte es auch auf zu regnen. Die Sonne hatte es aber leider noch nicht durch die dicke Wolkendecke geschafft. Dennoch war es ein unbeschreibliches Gefühl die Schuhe auszuziehen und den Strand und das Meerwasser zwischen den Zehen zu spüren. Wir wollten am liebsten direkt mit Klamotten und Rucksack ins Wasser springen.

Wir waren jetzt schon überglücklich und unglaublich stolz auf uns, dass wir es so weit geschafft hatten und endlich am Meer stehen durften. So wirklich realisieren konnten wir aber noch nicht, dass wir bald in Venedig auf dem Markusplatz stehen sollten. Die nächsten zwei Kilometer sind wir ganz gemütlich am Strand im seichten Wasser geschlendert und haben nebenher ein paar Muscheln gesammelt. In diesen Momenten vergisst man völlig, wie strapaziös die letzten Wochen waren und man ist einfach nur glücklich.

Nachdem wir wieder zurück in unsere Wanderschuhe geschlüpft sind, wurden wir aber schnell wieder daran erinnert, wie anstrengend die letzten Tage waren. Denn unsere Füße wollten eigentlich gar nicht mehr zurück in die Wanderschuhe. Es war gut, dass wir jetzt nur noch 12 km Strecke vor uns hatten. Leider waren das nicht die schönsten 12 Kilometer unserer Wanderung. Es ging schnurgeradeaus und am Horizont konnten wir die Anlegestelle der Fähre erahnen und bald auch sehen. Noch dazu kam, dass wir an knapp fünfzig Campingplätzen vorbeigekommen sind. Es wimmelte auf einmal um unser herum nur so von Deutschen und wir hatten nicht das Gefühl, dass diese einen glücklichen Urlaub verbrachten. So konzentrierten wir uns also nur noch auf unser Ziel und ließen unsere Beine die Arbeit machen.

Je weiter wir uns dem Ende des Weges genähert haben, desto weniger Menschen waren auf dem Weg unterwegs. Das gemeine an diesem Weg war allerdings, dass ständig eine Bushaltestelle nach der anderen kam und das Angebot einfach in den Bus zu steigen doch sehr verlockend war. Aber wir haben uns immer wieder ins Gedächtnis gerufen, dass wir jetzt so weit gekommen sind und die letzten paar Kilometer auch noch zu Fuß schaffen. Nach etwa 6 km haben wir noch eine letzte Pause eingelegt, um noch einmal alle Kräfte zu sammeln.

Jetzt trennte uns lediglich eine Stunde von der Fähre. Wir merkten beide immer wieder, dass wir von alleine Schritt für Schritt schneller wurden und mussten uns bremsen. Unsere Füße schmerzten, da wir uns die letzten Tagen, an denen es so unglaublich heiß war, ein paar Blasen gelaufen hatten. Aber die große Vorfreude auf Venedig und die geschaffte Wanderung ließen die Schmerzen schnell in Vergessenheit geraten. Die letzten zwei Kilometer sind an uns vorbeigeflogen und auf einmal standen wir am Ende der Landzunge. Somit hatten wir das Ende unserer Wanderung erreicht. Ab jetzt ging es mit dem Wassertaxi für uns weiter.

Wir hatten Glück und mussten nur etwa 15 Minuten auf das nächste Boot warten. Man sollte beim Ticketkauf genau aufpassen. Obwohl wir nur eine Fahrt nach Venedig bestellten, versuchte man uns ohne einen Hinweis ein Hin- und Rückfahrticket zu verkaufen. Nachdem wir uns ein Plätzchen an Deck gesucht hatten, versuchten wir erst einmal alles sacken zu lassen. Das war aber so schnell nicht möglich, nicht zuletzt weil wir auf unsere Reise angesprochen wurden.

Während der 20-minütigen Überfahrt nach Venedig sind wir unter anderem an der Insel Lido vorbeigefahren, die eine wunderschöne Uferpromenade mit sehr schicken, kleinen Häusern und Kirchen besitzt. Die Aufregung, gleich auf dem Markusplatz zu stehen, wurde immer größer. So ging auch die Überfahrt schnell vorüber.

Als wir das Boot verlassen hatten, standen wir auch schon mitten im Getümmel von hunderten Menschen. Wir waren diese Menschenmassen nach der langen Zeit in den stillen Bergen absolut nicht mehr gewohnt. Und das war erst der Anfang. Über zwei kleine Brücken ging es direkt zum Dogenpalast. Kurz danach standen wir schon vor dem Markusdom. Diesen unvergesslichen Moment kann man schlecht mit Worten beschreiben, dieses überwältigende Gefühl muss man selbst erlebt haben!

Es war eine unglaubliche Reise, mit vielen tollen Eindrücken. Wir durften viele nette Menschen kennenlernen, die diese Reise zum Teil auch so besonders gemacht haben. Egal ob es die besonderen Hüttenwirte waren oder die Wanderer, die wie getroffen haben. Wir sind wirklich dankbar, dass wir diese Reise zusammen erleben durften und haben uns während diesen vier Wochen so frei und unbeschwert gefühlt wie noch nie. Auch sind wir froh, ohne größere Verletzungen und körperlichen Einschränkungen die Alpenüberquerung überstanden zu haben.

Wir sind inzwischen wieder in unserem Alltag zuhause angekommen und vermissen jeden Tag die Berge und die unglaublichen Weiten. Es ist aber noch immer schwierig zu realisieren, dass nun das geschafft ist, auf das wir uns so lange vorbereitet und gefreut haben. Aber eines ist klar: Es war auf keinen Fall unsere letzte Fernwanderung und auch so wird es uns wahrscheinlich ganz bald schon wieder in die Berge ziehen. Auch wenn es vielleicht nur für ein Wochenende sein wird.

Tourdaten zur sechsundzwanzigsten Etappe

   
Ort:

Streckenlänge:
Höhenmeter:
Reine Gehzeit:
Jesolo bis Markusplatz (Venedig)23 km0 m / 2 m4:30 h


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