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Tag 8: Karwendelhaus bis Hallerangerhaus über den Schlauchkarsattel

Heute stand für uns eine der schwierigsten Etappen der Alpenüberquerung bevor. Sowohl konditionell als auch technisch fordert die Überschreitung des Schlauchkarsattels unsere Fähigkeiten heraus. Los ging es direkt hinter dem Karwendelhaus. Gleich zu Beginn führt der Weg an einer relativ steilen Felswand hinauf, die zur Unterstützung gesicherte Passage mit Stahlseilen beinhaltet. Durch diesen steilen Aufstieg, legt man bereits in den ersten 15 Minuten sehr viele Höhenmeter zurück. Weiter geht es dann mit einem Trampelpfad, der rechts am Felsen vorbei führt.

Nach dem man einen großen Bogen gewandert ist, wird der weitere Weg bis hin zum höchsten Aufstiegspunkt ersichtlich. Es geht über ein endlos wirkendes Geröllfeld, in dem bereits schmale Pfade sichtbar sind. So schlängelten wir uns auf dem Weg weiter und weiter durch das Geröllfeld. Dabei halfen uns die Wanderstöcke sehr, denn der Untergrund ist rutschig. Es standen uns bis zum Schlauchkarsattel 900 Höhenmeter bevor.

Je weiter wir hinauf gestiegen sind, desto öfter mussten wir immer wieder für einen kurzen Moment innehalten. Der Schweiß tropft von der Stirn, die Füße möchten kurz stehen und doch trieb uns die Vorfreude auf den Ausblick und das näher kommende Ziel an. Auch hat man selten einen festen Stand und so möchte man weiter nach oben gehen, Schritt für Schritt, immer abgesichert mit einem Fuß und beiden Stöcken auf dem Boden. Die hohe Konzentration wirkte elektrisierend und die absolute Stille sorgt für einen Tunnelblick. Dennoch waren zahlreiche Bergsteiger unterwegs, die sich aber alle auf ihren Aufstieg konzentrierten. Bei einem Blick nach rechts, bot sich uns fast schon etwas hämisches an. Es waren einige Gämsen unterwegs, die leichtfüßig über das Schotterfeld liefen, während wir schweren Fußes versuchten, Meter für Meter voran zu kommen. Auch von einer Steinschlaggefahr muss man auf dieser Bergetappe ausgehen und sobald wir das Klackern von Steinen hörten, erfroren wir kurz in unserer Bewegung und schauten in die Richtung, aus denen die Geräusche kamen.

Unser Weg nach oben wurde von größeren Felsen durchzogen und so ging es nach etwa Zweidritteln der Höhe über diese Felswände weiter. Hier muss man sich entscheiden, ob man die Stöcke weiterhin verwenden möchte oder lieber die Hände direkt am Felsen als Stütze benutzt. Nach einigen, kurzen Pausen auf Felsblöcken hatten wir diese Passage hinter uns gelassen. Das Ende des Aufstiegs ging durch einen Mix aus Felsen und Schotterfeld. Jeder Schritt sollte sorgsam gesetzt werden, denn wer rutscht, verliert. Nach etwa 1:50 h sind wir dann oben auf dem Schlauchkarsattel angekommen, in einer Höhe von 2620 m.

Atemberaubender Ausblick vom Schlauchkarsattel

Der Ausblick ist gigantisch. Man sieht bis zum Brauneck zurück, welches wir in Etappe 4 überschritten haben. In Richtung Süden kann man erahnen, was noch alles vor uns liegt. Endlos Weiten und hohe Berge der Zentralalpen sorgen für ein beeindruckendes Bild, das für ein Gefühl von Freiheit sorgt aber auch zeigt, wie klein man doch ist.

Links vom Schlauchkarsattel geht es hinauf auf die Birkkarspitze, der höchste Gipfel des Karwendels. Für den Abstieg folgen wir der Beschilderung „Hallerangerhaus“, das unser Ziel der heutigen Etappe war. Nach wenigen Minuten wird der Abstieg zu einer Kletterpartie. Die Wanderstöcke haben wir klein gemacht und am Wanderrucksack befestigt. Es folgten nun etliche Felsen, die es galt hinabzusteigen. Zur Hilfe wurden hier durchgehenden Stahlseile und teilweise auch Steigbügel befestigt. Trotz der aktuellen Höhe machte uns dieser Abstieg Spaß.

Nach der Kletterpassage ging es mitten durch ein Geröllfeld. Es gab teilweise Furchen, die wie Wege aussahen. Dennoch mussten wir uns selbst den besten Weg suchen. Das Geröllfeld setzte sich fort, bis wir in einem Kessel angekommen sind. Dort thronten riesige Felsbrocken, die von Zeit zu Zeit von den umliegenden Bergwänden angefallen sind. Sie haben uns für eine kurze Verschnaufpause Schatten geboten, ehe es mit dem Abstieg weiter ging.

Weitere Geröllfelder folgten, durch die wir mit zunehmendem Spaß hinabgestiegen sind. Dabei hat wohl jeder seine eigene Technik, um zügig voranzukommen und dennoch nicht auszurutschen. Je mehr Höhe wir verloren haben, desto grüner wurde die Umgebung. So wurde auch unser Weg wieder durch einen Trampelpfad definiert, der sich durch Gebüsch schlängelte.

Auf dem Weg kamen wir auch an zwei Bächen vorbei, die zu einer Abkühlung einluden. Wir wollten unsere große Pause allerdings bei der Kastenalm im Tal verbringen.

Kastenalm und Hallerangerhaus

Das letzte Stück hinab ging durch einen Wald und endete im Tal in einem Schotterfeld. Von hier aus waren es nur noch ca. 10 Minuten bis zur Kastenalm, wo wir uns mit selbstgemachten Kaminwurzn und kalten Getränken für den letzten Aufstieg gestärkt haben. Dieser führte auf einem zunächst steilen Fahrweg aus Schotter hinauf. Vor uns lagen nochmal ca. 500 Höhenmeter bis zum Hallerangerhaus. Der Weg dorthin war wirklich schön, führte zwischen den umliegenden Bergen hindurch und es kamen immer wieder Bäche am Weg vorbei.

 

Als wir nach 1:30 h an Hallerangerhaus angekommen sind, waren wir sehr geschafft aber auch sehr dankbar, für diesen atemberaubenden Tag. Das Wetter war perfekt und wir hatten eine grandiose Tour gemeistert. Auch die Wirtsleute im Hallerangerhaus waren sehr nett und wir konnten den Tag mit guten Essen, netten Gesprächen und leckeren Getränken abrunden.

Tourdaten zur achten Etappe

   
Ort:

Streckenlänge:
Höhenmeter:
Reine Gehzeit:
Karwendelhaus bis Hallerangerhaus15 km1450 m / 1450 m7 h


Kommentare


Markus 11. August 2017 um 20:30

Hey ihr beiden!
Larissa hat uns grad den Link eures Blogs geschickt. Coole Sache… Weiterhin viel Spaß auf der Tour!

Antworten

Steffi 12. August 2017 um 08:46

Super schöne Wanderberichte und Bilder. Danke das ihr uns auf eure Tour sozusagen „mitnehmt“. Diese Tour war bestimmt superanstregend.

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